Christus spricht: „Lass Dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den
Schwachen mächtig.“
2.Korinther 12,9
Paul Tournier schrieb einmal ein Büchlein mit dem Titel „Die
Starken und die Schwachen“. Es scheint ja auf den ersten Blick zwei
Sorten von Mensch zu geben, eben die geborenen Gewinner, denen alles
glückt, was sie anpacken und die Erfolg im Leben haben, weil sie mit
scheinbar unerschöpflicher Energie das anpacken, was sie erreichen
wollen. Und dann gibt es eben noch die anderen. Die eher
Schüchternen, die sich nichts zutrauen, weil man ihnen vielleicht
als Kind schon gesagt hat, dass aus Ihnen mal nichts wird. Das
scheint sich jedes Mal zu bestätigen: bei der verpatzten Prüfung,
durch eine Krankheit, durch den Verlust des Arbeitsplatzes oder
finanzielle Schwierigkeiten. Die eigenen Kinder sind natürlich nicht
so sportlich und intelligent wie die des erfolgreichen Nachbarn in
dem netten Einfamilienhäuschen usw. So setzt sich das fort.
Wo würden Sie sich spontan einordnen? Eher bei den Starken oder
eher bei den Schwachen? Haben Sie das Gefühl, das Leben im Griff zu
haben und den Problemen gewachsen zu sein? Oder geht es Ihnen eher
so, dass Ihnen der Alltag mit seinen Problemen und Geschäften über
den Kopf wächst und Sie sich manchmal einfach erschöpft und
ohnmächtig fühlen. Vielleicht nach einem Schicksalsschlag, nach
einer Krankheit oder einfach aufgrund einer undefinierbaren Angst, im
Leben auf den falschen Zug aufgesprungen zu sein - und jetzt ist sei
es zu spät.
Wo haben Sie sich einsortiert? Bei den Starken oder den
Schwachen? Oder vielleicht gar nicht, weil es schließlich auch
Halbstarke und Halbschwache gibt, weil der Schwache auch manchmal
stark und der Starke auch manchmal schwach sein kann. Gerade das
Thema „Burnout“, das geradezu das geheime Modethema der Medien im
vergangen Jahr bildete, hat gezeigt, dass wir eine „erschöpfte
Gesellschaft“ sind - und dass es so nicht weitergehen kann.
Die Jahreslosung für das Jahr 2012 fordert uns heraus, unsere
Klischees von „stark“ und „schwach“ zu überdenken. Gerade
unsere (vermeintliche) Stärke wird zur Schwäche und unsere
Schwachheit wird zur Chance. Wo wir aufhören, immer stark sein zu
müssen, bekommt die Gnade eine Chance. Gute Dinge werden sich
entfalten können, ohne dass wir das Entscheidende dazu geleistet
hätten – ja gerade weil wir nicht krampfhaft versuchen, alles
selbst schaffen zu wollen. Das entlastet und eröffnet neue
Möglichkeiten.
Genau das sagt Jesus dem Apostel Paulus, der von der Gemeinde in
Korinth als Schwächling abgelehnt wird und der mit Krankheit und
Niederlagen zu kämpfen hat: „Meine Gnade genügt dir, denn meine
Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.“ (so die wörtliche
Übersetzung der Jahreslosung). Wo wir unsere Schwächen und
Niederlagen akzeptieren und uns für Gottes Möglichkeiten öffnen,
werden auch 2012 gute Dinge in unserem Leben geschehen. Trotz und
gerade in unserer Schwachheit.
Stefan S. Jäger