Meine Erwartungen und die Realität in der Adventszeit
Ich weiß nicht, welche Erwartungen sie an die Adventszeit haben – meine jedenfalls waren dieses Jahr sehr hoch:
Ruhig, besinnlich, friedlich, harmonisch sollte es sein, selbstverständlich mit Weihnachtsliedern bei Kerzenschein. Die Wohnung ist aufgeräumt, geputzt und schön dekoriert; Plätzchen und Stollen sind gebacken. – Natürlich ist alles bis zum 1. Advent fertig.
Soweit meine Vorstellungen – die Realität sieht leider völlig anders aus:
Beide Kinder werden vor dem 1. Advent richtig krank und unser 2-jähriger Daniel bekommt seine letzten Backenzähne – vorzugsweise nachts. Statt „ruhig und besinnlich“ kämpfe ich mit Schlafmangel, tröste kleine Rotznasen und komme zu nichts. Statt „friedlich und harmonisch“ werde ich immer gereizter.
Wir eröffnen zusätzlich im wahrsten Sinne des Wortes eine zweite Baustelle. Pünktlich zum 1. Dezember öffnen wir nicht nur das erste Türchen am Adventskalender, sondern auch Firma Laudien, Markus Gaab, steht vor der Tür. Wir wollen unseren Eingangsbereich und Carport pflastern. Statt „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ heißt es bei uns erst einmal: Der Eingang ist für wenige Tage entweder gar nicht oder nur schwer passierbar. Statt „besinnlicher Weihnachtsmusik“ knattern und scheppern Laster, Bagger, Rüttelplatte und Co vor dem Haus.
Dieses Aufeinanderprallen von Erwartung und Realität hat mir sehr zu schaffen gemacht – ich war frustriert. Irgendwann hat mir Gott einen neuen Blick auf die Dinge gegeben. Mir ist klar geworden, dass beim allerersten Weihnachtsfest die Dinge bestimmt auch anders waren, als die Menschen erwartet hatten. Maria hatte sich bestimmt die Geburt ihres ersten Kindes ganz anders vorgestellt. Die Hirten waren bestimmt auch nicht vorbereitet – und ich möchte mal bezweifeln, dass sie aufgeräumt hatten.
Gott kommt nicht erst, wenn ich aufgeräumt habe und alles perfekt ist. Gott kommt und es ist Advent, egal wie es bei mir aussieht und egal wie ich mich fühle. Jesus will mir auch in meinem Chaos begegnen.
Mit dieser neuen Sicht, gestalten wir zu Hause die Adventszeit neu:
Statt „ruhig und besinnlich“ freue ich mich daran, dass es den Kindern besser geht und unsere 4-jährige Tabea wie ein kleiner Wirbelwind durch die Wohnung tanzt – Daniel meist hinterher. Dabei singt sie mit voller Lautstärke, ganzem Körpereinsatz und Hingabe alle Weihnachtslieder, soweit sie sie kennt. Statt „Weihnachtslieder bei Kerzenschein“ drehen wir die Weihnachtskinderlieder-CD so laut auf, dass die Musik mit Bagger, Rüttelplatte und Co mithalten kann. Gemeinsam mit den Kindern schaue ich aus dem Fenster und staune darüber, dass durch die Hilfe vieler netter Menschen aus Dreck, Beton, Steinen und Lärm im wahrsten Sinne des Wortes „ein neuer Weg bereitet wird“. Statt „zum 1. Advent alles fertig“ zu haben, dekorieren wir nach und nach die Wohnung. Ich habe mir fest vorgenommen nicht darüber zu trauern, dass die zerbrechlichen Krippenfiguren, an denen ich sehr hänge, dieses Jahr keinen Daniel-sicheren Platz gefunden haben. Stattdessen freue ich mich daran, dass Tabea darauf bestanden hat, Krippen-Plätzchenausstecher zu kaufen. Sie hat beim Backen jede Menge Marias, Josefs und Jesus-Babys produziert. So liegt immer wieder eine kleine süße Krippe auf unserem Plätzchenteller, und ich kann sehen und schmecken, wie gut es Gott mit uns meint.
Simone Häußer
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